In Portugal legt man auf gute Umgangsformen großen Wert.
Ungewohnt ist es für Ausländer, dass sich scheinbar Fremde schon nach dem ersten Treffen mit Küsschen und/oder einer Umarmung begrüßen. Tuchfühlung wird in Portugal eher positiv empfunden, Distanz erweckt eher Misstrauen.
So kann es Ihnen durchaus passieren, dass Sie etwa auf Wohnungsuche sind und mit einem Makler mehrere Termine vereinbart haben. Beim ersten Mal wird man sich natürlich mit Handschlag begrüßen - aber ab dem zweiten Treffen geht es unter Umständen (gerade auch unter Frauen) schon familiärer zu: Man trifft sich und begrüßt sich mit Küsschen links-rechts.
Männer geben sich bei der Begrüßung normalerweise die Hand, gute Freunde umarmen sich allerdings durchaus. Bei guten Geschäftspartnern und unter Kollegen ist es auch üblich, sich mit Schulterklopfen zu begrüßen.
Der Tagesgruß: Wann sagt man was
"Bom dia" - das entspricht in etwa unserem deutschen "Guten Morgen" - sagt man bis zur Mittagszeit. Danach folgt - bis zum Einbruch der Dunkelheit bzw. bis zum Abendessen - "boa tarde" (wörtlich: "Guten Nachmittag"). Später sagt man "boa noite" - was nicht unbedingt "gute Nacht" (wörtlich übersetzt) heißt, sondern eher unserem "guten Abend" entspricht.
"Boa noite" ist auch der Gruß "Gute Nacht", wenn man beispielsweise nach dem Abendessen ein Lokal verlässt.
Weniger formell begrüßt man sich auch mit "olá".
Verabschiedung
Verlässt man z.B. ein Lokal oder Geschäft, kennt man in Portugal unser "Auf Wiedersehen" nicht: Formell sagt man einfach nochmals den Tagesgruß ("bom dia", "boa tarde" oder "boa noite").
Unter Bekannten und Freunden gibt es auch die Verabschiedung "adeus" und natürlich - falls man sich verabredet hat: "até logo" - bis später, "até já" - bis gleich oder "até amanhã" - bis morgen.
Anrede
Titel sind in Portugal wichtig: Man sagt beispielsweise "Herr Ingenieur" ("Senhor Engenheiro"), Herr Doktor ("Senhor Doutor") und solche Titel sind natürlich auch auf den Visitenkarten zu finden.
Kleiner Hinweis: "professor"/"professora" ist in Portugal kein Titel, sondern die Berufsbezeichnung für Lehrer/in.
Prinzipiell ist man eher formell - das "Du" ist nicht unbedingt schnell üblich, man bleibt eher bei der Anrede in der dritten Person. Wobei das natürlich auch altersabhängig ist: Unter Jüngeren duzt man sich schneller, auch in den Städten und bei bestimmten Berufsgruppen wie Künstlern, Journalisten etc. ist das "Du" üblicher. Allerdings: wenn ein/e ältere Herr/Dame einen duzt, bedeutet das nicht, dass er/sie einem das "Du" angeboten hat. Hier gilt dann eher: Der/die Ältere duzt Jüngere, der/die Jüngere siezt Ältere.
Aber meist spricht man sich sehr formell mit "a senhora" oder "o senhor" und dann in der dritten Person an. Also übersetzt ins Deutsche "Könnte die Dame mir helfen/würde der Herr mir sagen..." Es ist auch durchaus üblich, den Vor- und Familiennamen zur Anrede Senhora/Senhor zu stellen: also "Senhor António Silva" oder "Senhora Maria Ferreira".
Es kann Ihnen auch durchaus passieren, dass man von und zu Ihnen "a senhora estrangeira" spricht (also "Frau Ausländerin") - dies ist aber nicht abwertend gemeint, sondern durchaus als höflich zu verstehen.
Die höfliche Anrede mit dem Namen ist beinahe eine kleine Wissenschaft:
Frauen spricht man nicht wie etwa in Deutschland mit "Frau und dann Familienname" an, sondern mit dem vollen Namen: also "Senhora Maria Müller". "Nur" der Nachname würde bedeuten, dass Sie rangmäßig unter der Person stehen, die Sie anspricht...
Bereits beim zweiten persönlichen Treffen (etwa beim Postboten, aber auch bei Nachbarn, im Job etc.) aber tituliert man die Frau mit "Dona Maria" - also dem "Ehrentitel" Dona und dem Vornamen.
Will man besonderen Respekt bezeugen, setzt man sogar noch ein Senhora davor: also "Senhora Dona Maria". Das kann Ihnen beispielsweise passieren, wenn Sie eine rüstige ältere Dame sind. Aber auch, wenn Sie am Telefon etwa überzeugt werden sollen, Ihren Tarif bei der Telecom umzustellen...
Der entsprechende männliche Titel "Dom" ist in Portugal ausschließlich dem König vorbehalten (bzw. dem Familienoberhaupt der königlichen Familie). Männer werden nach dem ersten Treffen gerne mit "Sô Luís" angesprochen - also ebenfalls lediglich dem Vornamen. Das "Sô" ist eine Kurzform von "Senhor".
In offiziellen Briefen übrigens geht es noch formeller zu:
Da spricht man allgemein "Excelentíssimo/ma Senhor/a" - also "hochverehrte/r Herr/Frau..." abgekürzt wird dies dann Exma bzw. Exmo
| Portugallierforum - Ihr Portugalforum für Zuhause - Auswandern, Leben & Arbeiten |
|





